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Typo Berlin 2017

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Typo Berlin 2017

Autor: Johannes Erler / Kategorie: Bureau / 28. Mai 2017

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Ganz neue und ganz tolle Erfahrung: einmal Moderator sein! Seit 22 Jahren gibt es die Typo Berlin, die mittlerweile größte Designkonferenz Europas. Und in diesem Jahr habe ich sie zum ersten Mal moderiert. Das war anstrengend, interessant, lustig und manchmal sogar bewegend.

1998 war übrigens mein erstes Jahr als Sprecher auf der Typo Berlin. Sozusagen 20jähriges Bühnenjubiläum diesmal also. Und diesen ersten Auftritt werde ich nie vergessen.

ich war kurzfristig gefragt worden, für einen ausgefallenen Sprecher einzuspringen, hatte sofort zugesagt und musste dann sehr schnell einen Vortrag auf die Beine stellen. An den kann ich mich kaum noch erinnern. An den ersten Moment auf der Bühne allerdings ziemlich gut. Denn ich wurde als Sprecher direkt nach der Keynote ziemlich ins Wasser geschupst. Und das war eiskalt.

Die Keynote kam von Bazon Brock, dem berühmten Design-Theoretiker, der wortgewaltig und ausführlich über ein Thema sprach, an das ich mich ebenfalls nicht mehr erinnere und nur noch weiß, dass ich angesichts dieser Wortkannonade immer tiefer in meinen Sitz rutschte.

Als Brock fertig war und reichlich Applaus bekommen hatte, musste ich raus auf die große, ziemlich nackte Bühne. 1.500 Menschen im Saal. Grelles Licht von vorn.

Da stand ich also im Scheinwerferlicht hinter dem Rednerpult, an das ich mich sofort klammerte, bis meine Fingerknöchel weh taten und dann passierte folgendes:

Ich löste mich sozusagen aus mir selbst heraus, stand also plötzlich regelrecht neben mir, verschränkte die Arme vor der Brust und rief mir, der ich immer nach am Rednerpult klebte, zu:

»So Johannes! Und jetzt liefer mal schön ab!«

Anschließend sah ich mir selbst dabei zu, wie ich unterging. Scheiterte an meinen eigenen Erwartungshaltungen. Scheiterte auch an diesem Publikum, das bis heute sehr anspruchsvoll ist und auch gern mal mitten im Vortrag den Saal verlässt. Und die ganze Zeit hörte ich mich wie von weit her und mit ganz viel Echo reden. Es dauerte ewig. Ich war fix und fertig.

Immerhin hat es die Typo anschließend nicht davon abgehalten, mich immer wieder als Sprecher einzuladen. Ich war sechs oder sieben Mal dort. Und im letzten Jahr kam dann die Einladung zur Moderation.

Gestern Abend bin ich von Type-Chef Jürgen Siebert gefragt worden, ob ich es im nächsten Jahr wieder machen möchte. Ich glaube, ich mach das.

Das Foto, das das Typo-Team zum Abschluss auf der Bühne zeigt, machte der Superfotograf Norman Posselt.